öland & småland | südschweden #kooperation


Eigentlich plane ich meine Reisen ja immer alleine – eigentlich! Nicht unbedingt bis ins kleinste Detail aber zumindest habe ich immer einen kleinen Plan, was ich unbedingt sehen und erleben möchte. Alleine die Planung macht mir immer einen riesen Spaß und steigert natürlich auch die Vorfreude. Diesmal wurde aber die Planung für die 4 Tages-Reise übernommen [Danke an Carl | Ehrenberg Sørensen] aber die Freude ist dennoch genauso groß, denn es geht nach Schweden.


Wer wie ich mit den Büchern und Filmen von Astrid Lindgren aufgewachsen und groß geworden ist, hat im Kopf schon eine gewisse Vorstellung vom Småland. Ewig lange Straßen durch Kiefernwälder, ab und zu ein gelbes Schild mit der Abbildung von einem Elch und dann vereinzelt die kleinen Dörfer mit den roten Holzhäusern, wo die Zeit still zu stehen scheint.


Von Hamburg über Amsterdam landen wir gerade in Växjö, einem kleinen Flughafen mitten in Südschweden. Ich bin ja immer wieder total fasziniert von den Kofferbändern. Erst starrt man sie eine Weile an und ist voller Erwartung und wenn es dann endlich los geht, ist es doch gar nicht mehr so spannend. Gepäck abholen, Mietwagen checken und auf ins Abenteuer Schweden. Von hier aus geht es nun ca. 65km direkt nach Boda Glasbruk. Boda ist bekannt für seine Glass Factory und genau diese besuchen wir. Wie schon gesagt, ich kenne Schweden eigentlich nur aus den Büchern von Astrid Lindgren aber wie ich gerade gelernt habe, ist gerade Südschweden für die Glaskunst sehr bekannt. Im Umkreis von ca. 75km gibt es hier 15 Glashütten, in denen traditionelle Glasbläser aus der ganzen Welt am Werk sind.

Begrüßt werden wir ganz herzlich von Maja, die ursprünglich aus Lübeck kommt und der Liebe wegen hier in Schweden gelandet ist. Über Stockholm führte ihr Weg nach Boda und nun ist sie die Direktorin der Glass Factoryund geht voll in ihrem Job auf. Mit voller Leidenschaft zeigt sie uns IHRE Factory. Angefangen vom Museum bis hin zur Werkstatt, hier erleben wir eine interaktive Ausstellung über die Entstehung, Entwicklung und Zukunft des Glasreiches. Wir machen eine Reise zurück in die 60er Jahre, als das Glas eine ganz neue Formgebung bekam und sich über die Jahre weiter entwickelte.






Beeindruckt bin ich aber am meisten von der Werkstatt. Internationale Künstler toben sich hier aus. Es ist ein tolles miteinander und man spürt eine einzigartige Stimmung im ganzen Raum. Ein Dj aus Japan, der dazu elektronische Musik gemischt mit Rock der 80er auflegt – wow. Maja erzählt uns, dass viele Glaskünstler aus der ganzen Welt hier her kommen, um hier zu arbeiten. Oft nur ein paar Monate, bis sie wieder weiterziehen aber jeder von ihnen lässt immer eines seiner Werke da. Mit rund 30.000 Glaskunstwerken ist die Glass Factory auch die Größte Glasskunstsammlung Schwedens. Und wer Lust hat, darf hier auch selbst ans Werk und sein eigenes Glas kreieren.



Wir gastieren diese Nacht im Slottshotellet [Schlosshotel] in Kalmar, ca. 46km von Boda Glasbruk entfernt direkt vor der Halbinsel Öland.



36°C und es wird noch heißer. Dieses Lied kommt mir sofort in den Kopf, als wir aus unseren klimatisierten Van steigen und auf Öland die beeindruckende Vegetation erklären lassen. Stora Alvaret ist das größte Alvargebiet der Erde und nimmt ca. 1/4 der Insel Öland ein. Es befindet sich auf einem Kalkuntergrund und wurde 2000 zum Welterbe der UNESCO erklärt. Im Sommer werden die Tiere der öländischen Bauern hier her getrieben und erst im Herbst wieder abgeholt.



Auf unserem Weg zum höchsten Leuchtturm Schwedens, dem Långe Jan, machen wir noch einen kurzen Zwischenstop an der Burg Eketorp. Hier sieht man, wie man im Mittelalter hier auf Öland gelebt hat. Auf Öland gibt es 15 dieser Burgen.



Während Långe Jan am südlichen Ende Ölands steht, befindet sich der jüngere und kleinere Leuchtturm Långe Erik im Norden der Insel. Mit 41,6 m ist Jan der höchste Leuchtturm Schwedens und von oben hat man einen tollen Blick auf die Ostsee.



Vom Süden der Insel geht es zurück in den Westen nach Borgholm zum Sommersitz der schwedischen Königsfamilie. Hier machen wir erstmal Fika. Fika wird die Unterbrechung einer Tätigkeit/Arbeit genannt, um sich mit der Familie oder Kollegen zum Kaffee zu treffen – eine kleine Pause also. Nicht selten gibt es dazu Kekse oder Kuchen und diese Tradition einer ausgedehnten Kaffeepause mit einer kleinen Zwischenmahlzeit ist ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Kultur und nicht umsonst gelten die Schweden als größte Kaffeekonsumenten der Welt. Let´s Fika.



Leider macht uns ein Sommerregen einen kleinen Strich durch die Rechnung, was uns aber nicht davon abhält, einen kleinen Walk durch den Park vom Schloss Solliden zu machen. Wenn man Glück hat, trifft man die Königsfamilie hier auch ab und zu im kleinen Café Kaffetorpet nebenan.



Der Schauer zieht schnell vorbei und wir werden wieder mit wundervollem Sonnenschein und blauem Himmel begrüßt – ob deswegen die schwedische Flagge blau gelb ist?!

Borgholm hat aber nicht nur das wunderschöne Schloss Solliden sondern auch noch das Borgholm Castle. Das Schloss wurde 1806 niedergebrannt und heute stehen nur noch die mächtigen Mauern. In den Überresten des Schlosses ist ein Museum entstanden und der Innenhof bietet eine spektakuläre Kulisse für Konzerte. Bands wie Roxette drehten hier einige ihrer Musikvideos, wie z.b. von Listen to your Heart.


Nach den ganzen Eindrücken auf Öland heute, beziehen wir unser Nachtlager Drotting Victoria Vilohem und lassen den Tag mit ein bis zwei Gin Tonic ausklingen, bevor es morgen wieder ins Landesinnere Richtung Vimmerby geht.



4 Jahre in Folge wurde Kalmar mit seinen 67.ooo Einwohnern zur Sommerstadt des Jahres gewählt und scheint ein sehr beliebtes Reiseziel auch für die Schweden zu sein. Nach den Schlössern gestern, geht es heute direkt weiter mit einer Führung durch das Schloss Kalmar. Neben der Geschichte und viel Historischem, gibt es hier aktuell eine sehr eindrucksvolle Ausstellung von Van Gogh „Van Gogh Alive„. Völlig fasziniert sitze ich hier und lasse die Bilder auf mich wirken.






Nach dem Lunch im Schloss geht es Richtung Kindheit. Knapp 2h an unzähligen Wäldern mit Moos bewachsenen Felsen und tollen Seen vorbei, parken wir in Bullerbyn. Kurzer Stop für eine kleine Fika in der Sonne. An dieses Fika könnte man sich glatt gewöhnen, wenn da nicht immer diese verdammt leckeren Kuchen wären, die gefühlt allein in diesen 4 Tagen für 2kg mehr auf der Hüfte sorgen.



„SING DUDELDEI, SING DUDELDEI, DER MICHEL WAR BEKANNT, SING DUDELDEI, SING DUDELDEI, BEKANNT IM GANZEN LAND“

Na, kennt ihr auch diese Melodie und habt sofort das Bild vom kleinen Michel vor Augen?! Bevor es gleich nach Katthult geht, dem Ort, wo die Filme von Michel gedreht wurden, schauen wir uns noch ein kleines Filmmuseum an. Filmbyn heisst es und schwupp bin ich wieder 5 Jahre alt und kann mich an all die tollen Filme erinnern. Filme wie eben Michel aus Lönneberga, Pipi Langstrumpf oder die Kinder von Bullerby. Plötzlich steh´ich in der Küche von Pipi Langstrumpf oder stecke in der Suppenschüssel genau wie Michel damals. Interaktiv kann man hier viel erleben und nochmal Kind sein.



Die Zeit rast oft so schnell, doch hier in Katthult scheint sie still zu stehen. Diese Ruhe und Friedlichkeit – all die Menschen, die uns hier begegnen, uns anlächeln und so herzlich willkommen heißen.WOW. Warum kann es nicht überall auf der Welt so sein? Wir fühlen uns hier überall willkommen und es ist egal, wer wir sind und wo wir herkommen, es spielt einfach keine Rolle.



Wusstet ihr, das Michel aus Lönneberga hier in Schweden gar nicht Michel heisst sondern Emil. Astrid hatte ihn damals umbenannt, da es in Deutschland schon ein Kinderbuch von Erich Kästner gab „Emil und die Detektive“ und sie wollte nicht, dass es da Verwechslungen gibt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Michel hier eine tolle Zeit hatte, so idyllisch wie es hier in Katthult ist – auch wenn er oft in den Holzschuppen muss, weil er wieder Blödsinn gebaut hatte.

Und so verflogen die Tage wie im Fluge. Heute ist schon der letzte Tag und wir lassen uns nochmal von Astrid Lindgrens Lebensgeschichte verzaubert. Eine wirklich tolle und ehrenswerte Frau, wie man in dem Museum in ihrem Heimatort Astrid Lindgrens Nås nahe Vimmerby erfährt. Hier ist der Ort, an dem sie ihre wundervolle Kindheit erlebt hat und wo sie aufgewachsen ist. Hier ist sie mit mit ihren Geschwistern durch die Küche geflitzt, sowie Michel es mit seiner Schwester Ida macht. Hier steht auch der Limonadenbaum, wie in Pipi´s Geschichten und auch der Holzschuppen wie bei Michel, ist hier zu finden. Alles Momente, die wir aus den Büchern und Geschichten von Astrid kennen, denn es sind alles IHRE Geschichten, ihre Kindheitserinnerungen und ihre Streiche.



Tack för den här fantastiska tiden här i Sverige. Vi ses snart.